Wohnungsmangel und Verkehrsüberlastung

Artikel von Nationalrat Christoph von Rotz, Sarnen (OW), vom 29. Juli 2011

Nicht die Zuwanderung von nötigen Fachkräften für unsere Wirtschaft ist ein Problem, sondern die unkontrollierte Massenzuwanderung in unser „noch“ attraktives Land. Deren negative Einflüsse zeigen sich unter anderem in massiven Preissteigerungen bei Mieten und Bodenpreisen, einer Zunahme der Mobilität und einem erhöhten Energiebedarf.

In den letzten Jahrzehnten ist die Wohnfläche pro Person stetig angewachsen. Zwischen 1980 und 2000 resultierte eine Steigerung von 30%. Dieses Wachstum ist nicht nur aufgrund des Wohlstandes oder der verschiedenen „modernen“ Familienmodelle entstanden, sondern auch die Folge einer Schrumpfung der durchschnittlichen Haushaltsgrösse. Dieser Trend verursacht generell einen höheren Verbrauch von Boden und Raum zum Wohnen, da verhältnismässig immer weniger Personen auf derselben Wohnfläche leben. Gleichzeitig ist seit der Einführung der Personenfreizügigkeit das Bevölkerungswachstum in der Schweiz geradezu explodiert. In den letzten vier Jahren resultierte eine Einwanderung von 330‘000 Personen – dies entspricht in etwa der Einwohnerzahl des Kantons Tessin oder des Kantons Wallis! Problematisch ist die Tatsache, dass die Schweiz aufgrund ihrer Topographie gerade mal 7% Siedlungsfläche aufweist. Unser Land ist deshalb bereits heute im internationalen Vergleich sehr dicht besiedelt.

Mehr Einwohner – explodierende Miet- und Bodenpreise

Die hohe Zuwanderung hat einen klaren Effekt auf den Immobilienmarkt, in welchem aufgrund der starken Nachfrage sowohl die Kauf- wie auch Mietpreise in die Höhe schnellten. Insbesondere in den Zentren Zürich, Genf und Lausanne aber auch in der Zentralschweiz macht sich diese Entwicklung bemerkbar. So stiegen die Preise für Eigentumswohnungen in der Stadt Zürich in den letzten 10 Jahren um 60%! Mietwohnungen sind so rar, dass es ellenlange Wartelisten gibt und schliesslich das Los entscheidet, ob man die begehrte Wohnung bekommt. Viele gutverdienende Zuwanderer lassen sich bevorzugt in den grossen Arbeitsplatz-Zentren nieder. Viele Einheimische können sich diese hohen Preise kaum mehr leisten und werden gezwungen, in entferntere Regionen umzuziehen – was wiederum einen Anstieg beim Pendlerverkehr bewirkt. Dieser Trend wird auch in den kommenden Jahren eher zu- als abnehmen, da in der Schweiz trotz hoher Wohnbautätigkeit weiterhin ein sehr tiefer Leerwohnungsbestand herrscht. Der Traum vom eigenen Haus ist für viele Leute angesichts der hohen Zuwanderung unerschwinglich geworden.

Mehr Einwohner – weniger Lebensmittel aus der Schweiz

Die Zuwanderung und die damit verbundene Bautätigkeit hat zudem massive Auswirkungen auf unseren Selbstversorgungsgrad im Bereich der produzierenden Landwirtschaft, da für die künftige Siedlungsentwicklung wertvolles Kulturland geopfert werden muss. Unser schönes Land wird zunehmend mit Gebäuden zugepflastert – jede Sekunde wird 1 m2 Land verbaut!

Mehr Einwohner - mehr Mobilität!

Schon heute sind die Strassen und die Bahnen bei vielen Strecken an ihrer Kapazitätsgrenze angelangt – obwohl in der Vergangenheit laufend ausgebaut wurde. Neben einem der dichtesten und meistbefahrenen Schienennetze der Welt verfügt die Schweiz auch über ein weitverzweigtes Strassennetz, welches den grössten Teil des Individual- aber auch Transportverkehrs abwickelt. Die Folgen der hohen Verkehrsdichte sind massive Unterhaltskosten, um überhaupt die Substanz des Systems erhalten zu können sowie hoher Stauverkehr, welcher jedes Jahr volkswirtschaftliche Schäden in Milliardenhöhe verursacht.

Funktionierende und leistungsfähige Verkehrsinfrastrukturen sind für unseren Wirtschaftsstandort Schweiz und für unsere Volkswirtschaft von grösster Wichtigkeit. Gute Verkehrsinfrastrukturen gehören zudem in jeder Region zu den Standortvorteilen und lassen diese auch mit wenigen Arbeitsplätzen wohnattraktiv bleiben. Mit der aktuellen Masseneinwanderung wird der Druck auf die Verkehrsinfrastrukturen weiter verstärkt. Gemäss Berechnungen des Bundes ist bis ins Jahr 2030 mit einer starken Zunahme beim Schienen- und Strassenverkehr zu rechnen (siehe Grafiken unten an der Seite). Weitere Ausbauten der Verkehrsinfrastrukturen sind daher unumgänglich, wenn die Schweiz nicht einen totalen Verkehrskollaps erleben will. Für solche Projekte auf der Strasse und Schiene rechnet der Bund mit einem Investitionsbedarf von 170 Mrd. Franken bis ins Jahr 2030, deren Finanzierung nur zu einem Bruchteil gesichert ist.

Mehr Einwohner – mehr Energieverbrauch!

Der Endenergieverbrauch der Schweiz hat sich über die letzten Jahre – trotz Effizienzmassnahmen stetig erhöht: Obwohl bei den Brennstoffen (wie Heizöl) seit 1980 eine Senkung resultierte, wurde dies durch eine Zunahme bei Gas, Treibstoffen und Elektrizität mehr als wettgemacht. Nach den Ereignissen in Japan hat insbesondere bei der Stromversorgung eine neue Debatte eingesetzt. Dabei wird in der Diskussion immer wieder vergessen, dass drei Viertel des Gesamtenergieverbrauches aus fossilen Ressourcen stammen. Die Senkung dieses Anteils und damit auch eine Senkung der Auslandsabhängigkeit sind wichtig, benötigen aber als Ersatz einen anderen Energieträger, in diesem Fall zusätzlichen Strom. Dieser Mehrbedarf muss in der künftigen Planungen der Stromversorgung einberechnet werden, denn sowohl Effizienzmassnahmen wie auch ein verstärkter Zubau bei den Erneuerbaren werden bei weitem nicht genügen, diese Lücke zu füllen.

Stopp der Masseneinwanderung!

Eine unkontrollierte Zuwanderung in unser attraktives Land, wie das im Moment der Fall ist, hat nicht nur Auswirkungen auf unsere Arbeitsplätze und Sozialwerke, sondern jeder Zuwanderer braucht entsprechenden Platz, Verkehrsinfrastrukturen und schlussendlich zusätzliche Energie. Diese verstärkte Nachfrage wird sich auf die Preise in allen genannten Bereichen auswirken – mit entsprechend negativen Folgen für uns alle. Deshalb gilt es die Einwanderung zu steuern.