Immer mehr Stau

Artikel von Nationalrat Ulrich Giezendanner (AG) im EXTRABLATT vom 30. Dezember 2013

Meine Heimat- und Wohngemeinde Rothrist hatte vor rund 20 Jahren noch 6000 Einwohner, heute sind es 8000. In unserem Land leben über acht Millionen Menschen. Die Zuwanderung von jährlich 80’000 Personen löst statistisch gesehen 2 Millionen Autofahrten zwischen Genf und Romanshorn aus.

Das Autobahnnetz wurde Anfang der 1960er-Jahre für fünf Millionen Menschen geplant. Das geplante Netz ist heute immer noch nicht fertiggestellt. In dieser Zeit nahm die Bevölkerung in unserem Land auf rund acht Millionen Einwohner zu. Nach der grossen Waldsterbelüge wurde fast ausschliesslich in den öffentlichen Verkehr investiert. Das Resultat kennen wir: Verkehrsinfarkt.

In meiner Gemeinde wurden Erschliessungs- und Umfahrungsstrassen gebaut. Die Bushaltestellen sprossen aus dem Boden. Die Infrastrukturen wie Kanalisationen, Schulhäuser, Gemeindehaus usw. – alles wurde der wachsenden Bevölkerung angepasst.

Bundespolitik führt ins Chaos

Das Wachstum in Rothrist kann problemlos mit dem Wachstum der Eidgenossenschaft verglichen werden. Nur bei der Verkehrs- und Infrastrukturpolitik gibt es massive Unterschiede. In der Schweiz werden rund 20% der Menschen mit dem öffentlichen Verkehr befördert. Rund 80% der Menschen benutzen den Individualverkehr (… und sie finanzieren ihn selbst!).

Trotz dieser eindrücklichen Zahlen wurde unter dem Deckmantel des Umweltschutzes fast nur noch in den öffentlichen Verkehr investiert. Die Folgen sind bekannt: jährlich rund 20’000 Staustunden (eine Verdoppelung innerhalb von 4 Jahren!).

Staus kosten unsere Volkswirtschaft über 2000 Millionen Franken pro Jahr

Mit dem volkswirtschaftlichen Schaden der Staus könnte unsere Schweiz jedes Jahr problemlos einen neuen Tunnel am Gotthard oder eine zusätzliche Röhre am Baregg bauen. Der geneigte Leser weiss auch, dass Staus Unmengen von CO2 produzieren. Wenn es aber um Strassenbau geht, dann interessiert die grünen Apostel weder Luft noch Umwelt. Dann geht es einfach nur noch um obstruktive Verhinderungspolitik.

Erstaunlich auch die konträren Aussagen unserer Bundesräte in Bezug auf den Verkehr. Der Wirtschaftsminister fordert Flexibilität der Pendler, ja er sagt öffentlich, dass der Arbeitnehmer längere Arbeitswege in Kauf nehmen müssen (der steuerliche Pendlerabzug aber soll gestrichen werden). Die Verkehrsministerin aber ist dem Pendlerverkehr nicht gut gesinnt, sie möchte möglichst wenig Personenkilometer vom Wohnort zum Arbeitsplatz.

80’000 zusätzliche Menschen brauchen Mobilität

Jedes Jahr kommen rund 80’000 Zuwanderer mehr in unser Land. Diese Menschen wollen privaten (80%) und öffentlichen Verkehr (20%). Diese zusätzlichen Einwohner benötigen die gewohnte Ver- und Entsorgung ihrer Haushalte. Das erzeugt ebenfalls vor allem Strassenverkehr.

Wie viel Verkehr wollen wir?

Meine Wohngemeinde Rothrist hat sich der wachsenden Bevölkerung angepasst. Der Bund aber will immer mehr Menschen (Zuwanderung), die Strasseninfrastrukturen aber werden noch durch die linke Brille geplant. Wenn man den Vergleich zur Bundespolitik zieht, dann müsste ein junger Mann von 20 Jahren noch immer die Kleider vom ersten Schultag anziehen. Es platzt aus allen Nähten.